DUKES OF WINDSOR



Ob die Bee Gees, AC/DC, Nick Cave, Kylie Minogue, Men at Work oder INXS: jede vielversprechende Band Australiens kehrte irgendwann der Heimat den Rücken zu und stellte sich größeren Aufgaben. Auch die Dukes of Windsor, ein furchtlos rockendes Quintett aus einem Vorort von Melbourne, wollen ihrem trickreichen Indierock in der weiter Ferne mit neuen Impulsen bereichern. Als Ziel haben sich die neugierigen Fünf nicht London oder New York ausgesucht, sondern Berlin, jene pulsierende Metropole an der Spree, die augenblicklich weltweit als kreativer Schmelztiegel unter Musikern ohne Scheuklappen in der Gunst ganz oben steht. Auch die Dukes of Windsors sind nicht engstirnig und saugen leidenschaftlich gern neue Eindrücke auf.

Das war schon so, als es sie eigentlich noch gar nicht existierten. Ganz zufällig trafen sich 2005 Sänger Jack Weaving und Gitarrist Oscar Dawson im Schwimmbad ihrer Heimatgemeinde Windsor und tauschten am Beckenrand musikalischen Vorlieben aus. Schnell stellte sich heraus, das beide nach einer fortschrittlichen Rockformel suchten, die Pop zur Orientierungsgröße hat und trotzdem so klingt, als wäre sie im Undergound beheimatet. Euphorisiert vom spontanen Kreativplausch gründeten sie kurz entschlossen mit dem Bassisten Joe Franklin die Dukes of Windsor und arbeiteten an ersten Songskizzen. Wenig später komplettierte Keyboarder Scott Targett und Schlagzeuger Mirra Seigermann das Unternehmen und sie verschwanden im Studio um die Debüt-EP „Foxhunt“ aufzunehmen. Jene mauserte sich dank einer frischen Rock-trifft-Elektro-Stilistik rasant zum landesweiten Erfolg und schickte das junge Quintett über Nacht raus auf die Konzertbühnen Australiens. Nur ein Jahr später machte ihr erster Longplayer „The Others“ klar, das die Vorschusslorbeeren mehr als berechtigt waren. Mit dunkler Note, einem perfekten Gefühl für unausweichliche Hooks, dynamisch antreibenden Rhythmen und trickreich verspielter Elektronik zeigten sie dass musikalische Eindimensionalität in die Sackgasse führt und Pop immer auch Aufbruch in die Zukunft bedeutet. Produziert wurde ihr gefeiertes Debüt vom Amerikaner Jonathan Burnside, der auch schon Faith No More und Nirvana den letzten Schliff verlieh. Mit der dritten Singleauskopplung „The Others“, die sie gemeinsam mit dem Australischen Dance-Act TV Rock einspielten, erreichten sie schließlich in Down Under zum ersten Mal Goldstatus und setzten sich ganze drei Monate auf Platz Eins der Club-Charts fest. Für die Aufnahmen zu ihren zweiten Longplayer wählten sie anschließend erstmalig für in paar Wochen Europa als temporäres Exil, um fernab der heimatlichen Hitze ihre zügellose Kreativität zu bündeln. Ausgerechnet im kalten Schweden produzierten sie das Album „Minus“, das trotz frostiger Produktionsumstände viel wärme spendet und ihren so genannten „Robotic Soul“ im Jahr 2008 noch ausgetüftelter präsentierte. Nicht zuletzt dank Frontmann Jack Weaving’s naturgegebenem Talent, rockigen Gesang mit dem Soul eines Marvin Gaye oder Al Green zu vereinen. Ein Markenzeichen, das gleich zwei Singleauskopplungen von „Minus“ in Australien massives Radio-Airplay bescherte. Es folgten zahlreiche Headliner-Tourneen durch die heimischen Clubs, dank denen das wagemutige Quintett endgültig zu den neuen Stars der heimischen Rockszene avancierte.

Nun wollen die Dukes of Windsor endlich auch jenseits des fünften Kontinents flächendeckend die Anerkennung, die ihrem empfänglich gegen den Strich gebürsteten Rock gebührt. Und damit das Echo in der neuen Wahlheimat gleich ganz groß wird, erscheint mit „It’s A War“ nun ihr erstes musikalisches Lebenszeichen in Europa. Das serviert mit Songs wie „The Others“, „Get It“ oder „Runaway“ ergreifende, in Down Under bereits erfolgreich erprobte Hits, die im Ohr kleben bleiben ohne sich anzubiedern. Deshalb lasst uns die fünf charmanten Burschen herzlich willkommen heißen. Denn sie sind einen weiten Weg gegangen, um uns mit Songs zu bezaubern, die kommen um zu bleiben. Ob sie irgendwann wieder zurück nach Australien ziehen, ist fraglich. Erst soll ein weiteres Album im schlaflosen Melting-Pot Berlin eingespielt werden. Und obendrein wartet ja auch noch so manche Konzerthalle auf die unwiderstehlichen Showqualitäten dieser forschen Newcomer, die live schon wie ausgebuffte Profis aufspielen.

Die ersten Meilensteine für einen hiesigen Erfolg sind gesetzt: Opinionleader in Clubs und Radios haben die Single „It’s A War“ bereits gepickt und auf ihre Playlisten genommen, die ersten Tourdates werden in Kürze folgen.